Theater für einen Vormittag

In Huancayo haben die acht Reisenden einen Theaterworkshop mit Schulkindern organisiert. Andreas Otto, ein Schulfreund von Yannick, hat im Nachbarort Chupaca eine Missionsstation von seinem Vater übernommen und eine Schule aufgebaut. Hier begann der Theaterworkshop am Donnerstag, den 06.03.2008 um 9.00 Uhr – mit dabei: viele helfende Hände und ganz viel blaue Folie. Von Anne Buntemann.

Für den Theaterkurs musste ich mir im Voraus ein Grundthema und Spiele überlegen. Ziel des Workshops war es, den Kindern zu zeigen, wie viele Möglichkeiten man hat, mit verschiedenen Materialien (Theater) zu spielen. Natürlich sollte der Spaß dabei nicht zu kurz kommen. Ich hatte schon früher mit vielen Materialien experimentiert, und Folie erwies sich als sehr wirkungsvoll und umfunktionierbar. In Peru ist es möglich, bunte Folie am Band als Schlauch zu kaufen. So musste ich keine Müllsacke zusammenkitten. 5 Kilo blaue Folie und 3 Kilo Gelbe macht: 10 soles (2,50 €). Alle 2 Meter wurden für einen Ballon abgetrennt und am unteren Ende zusammengeknotet. Und die Vorbereitungen waren abgeschlossen

Durchführung

Es hatten sich viele am Workshop beteiligt: wir 8 Reisenden, Andreas, 3 Lehrerinnen, 12 Vorschulkinder (3-4 Jahre) und 12 Kinder der ersten Klasse. Ganz geordnet kamen diese zur Wiese und stellten sich in einem Kreis zusammen. Yannick half mir beim Übersetzten.

1. Spiel: Um sich kennen zu lernen sollte jeder seinen Namen nennen und eine für sich typische Geste oder Bewegung finden. Um sich ein paar mehr Namen zu merken, sollte auch der Name vom Nachbarn und dessen Geste wiederholt werden. Die Kinder waren noch sehr klein und die Lehrerinnen mussten die Aufgabe häufig noch einmal vormachen. Die Runde ging etwas schleppend voran.

 

2. Spiel: In mir setzte sich die Befürchtung, dass die Kinder für die geplante Aktion zu klein wären. Deshalb hatte ich erst mal ein anderes Aufwärmspiel gewählt, welches mit kleinen und vielen Kindern immer funktioniert. Wir machten eine Fantasiereise. Vom Dschungel mit der Machete ging es in die Wüste auf einem Kamel. Berge wurden bestiegen und auf Delphinen geschwommen. Wir verwandelten uns in Adler und schauten uns die Welt mit einem Fernrohr an. Fast alle Kinder waren mit Begeisterung dabei. Das gab mir wieder einen kleinen Motivationsschub.

 

Ballons: Jedes Kind bekam eine der vorbereiteten Folien. Die Vorderseite sollte geöffnet werden. Die Kinder nahmen den Schlauch, rannten dem Wind entgegen und der Ballon füllte sich mit Luft. Der zweite Knoten wurde nun wie bei einem Luftballon zugemacht. Zum Glück hatten wir so viele Helfer. Zusammen mit ihnen konnten die Kinder ihre Ballons bauen und nach kurzer Zeit war der ganze Garten bunt. Die Kinder konnten nun ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Ob Sie nun darauf herumkullerten oder ob sie ihn in die Luft wirbelten, darauf herumrutschten oder boxten – alles war erlaubt.

 

Kostüme: Nach einer Weile gingen die Ballons kaputt. Aus der Folie klebten und banden wir nun mit Hilfe von Klebebandrollen alle möglichen Figurenkostüme. Nun hatten wir keine Kinder mehr, sondern Superhelden mit Cape und Maske, Prinzessinen, Räuber und Putzfrauen. Jeder Schnipsel wurde benutzt. Ein abgeschnittener Knoten wurde zur Mütze oder Schleife, Bänder konnten an jedem Körperteil angebunden werden.

 

Standbilder: Die Kinder wurden nach ihrem freien Spiel zusammengerufen und sollten sich für ein Foto aufstellen. Die nächste Aufgabe bestand darin, in ihren jeweiligen Figuren ein Bild darzustellen, welches aus einem Erzählbuch stammen könnte. Durch die Sprachbarriere und das Alter der Kinder kam es eher zu einem bewegten Szenenspiel. Dieses barg ungeahntes Potential: die Figuren wurden ausgespielt, Geschichten wurden gesponnen. Superman rettete die arme Prinzessin aus den Fängen zweier Bösewichte, zog sie hinfort und stolperte über einen Ballon. Die Prinzessin konnte fliehen, doch Superman hatte seine Ehre verloren.

Nach fast zwei Stunden ging der Workshop dem Ende zu, die Kinder tollten herum und die Aufmerksamkeit ließ nach. Die Folie wurde eingesammelt, und nach einem Abschlussritual im Kreis verabschiedeten wir uns.

Erfreuliche Ergebnisse

Der gemeinsame Vormittag hatte allen Beteiligten viel Spaß bereitet. Nicht nur den Kindern, welche eine kleine Abwechslung zu ihrem Schulalltag bekamen, sondern auch den Erwachsenen. Nach anfänglicher Skepsis der helfenden Gruppe, hatten fast alle mit den Kindern Spaß und gern mitgespielt. Für die Lehrerinnen war es eine gute Anregung: sie hatten neue Spiele ausprobiert und waren auf neue Gedanken gekommen. Trotz dessen, dass Sie jedes Jahr eine Woche Theater spielen, suchen Sie immer wieder nach neuen Ideen.

Hier gibt es mehr Bilder vom Theaterworkshop

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